Polarsyssel

Polarhistorische Studie zur Deutsche Arktische Expedition von 1912

Leitung der Studie: Hans Fricke

Die historische Eroberung des Südpols durch Scott und Amundson stellte 1912 die Antarktis in den Mittelpunkt des Weltinteresses. Das tragische Ende von Scott wurde zu einem unvergleichlichen englischen Heldenepos. Fast zeitgleich spielte sich in der Arktis im Norden Spitzbergens eine ebenso pathetische, heroische und tragische deutsche Polarkatastrophe ab, die durch ihr unrühmliches Ende in Vergessenheit geriet.

Leutnant Schroeder Stranz führte eine als Deutsche Arktische Expedition (DAE) bezeichnete Vorexpedition in das Nordostland Spitzbergens, um Erfahrungen für eine später geplante Durchquerung der Nordostpassage zu sammeln. Durch Desorganisation und Unkenntnis kamen von 10 deutschen Teilnehmern 7 ums Leben. Die Polartragödie fand große internationale Aufmerksamkeit. Fünf Hilfsexpeditionen brachen auf, verliefen aber ergebnislos (u.a. Rüdiger, 1913; Staxrud und Wegener, 1914; Ritscher, 1914). Die Rettungsexpedition des Polarfahrers Lerner endete katastrophal durch Schiffsbruch im Packeis (Villinger, 1929). Bis heute ist das Schicksal der DAE 1912, die auch als Schroeder Stranz Expedition in die Geschichte einging, nicht aufgeklärt (Barr, 1984).

1937 wurden im Duvefjord durch norwegische Seeleute Überreste der DAE entdeckt, jedoch fehlten – wie für Polarexpeditionen sonst üblich – schriftliche Nachrichten (Rüdiger, 1939). Die Koordinaten des Ortes waren mit 80°17´N und 24°10´E angegeben.

1945 fand der Polarforscher Wilhelm Dege (Dege, 1954), nur 8 km Luftlinie von diesem Ort entfernt, drei Aluminiumteller, die erst im Januar 2004 durch uns als letzte bekannte Reste der DAE identifiziert werden konnten. Der Fund von 1937 ist im Institut für Länderkunde in Leipzig archiviert.

Durch Auswertung historischer Fotos und Filme aus Archiven und Nachlässen gelang es den Untergangsort der LOEVENSKIOELD (Schiff der Lerner Hilfsexpedition von 1913) zu ermitteln. Ein Ziel war das Wrack zu orten, die Besiedlung auf dem Schiffsrumpf zu dokumentieren und somit als Indikator für Biodiversitätsstudien und Aufwachsraten der marinen Fauna des Nordpolarmeeres zu nutzen. Obwohl Side Scan Sonar, Multibeam Echolot und das Tauchboot JAGO eingesetzt wurde verlief die Suche erfolglos. Wahrscheinlichste Ursache dafür ist die Zerstörung des Holzwracks durch driftende Eisberge, die auf dem Meeresboden zahlreiche Pflugspuren hinterlassen haben.

Ein weiteres Ziel war die Identifizierung des genauen Landeortes der Schroeder Stranz Expedition 1912 im Duvefjord des Nordostlandes, der in der Literatur mit 80°17´N und 24°10´E angegeben ist (Rüdiger, 1939). Neueste Karten zeigen jedoch an dieser Stelle einen senkrechten Felsabfall, der als Landeplatz nicht in Frage kommt. Durch Auswertung von Fotos vom Fundort 1937 gelang es uns den genauen Landeplatz der Schroeder Stranz Expedition zu finden (80°14’03“N, 23°44‘33“E) und durch Funde weitere Ausrüstungsgegenstände der DAE zweifelsfrei zu identifizieren.

Die Ergebnisse dieser polarhistorischen Studie sind durch zwei Filme dokumentiert:

Verschollen in der Arktis (NDR)

ARD-Reihe Geheimnis Geschichte: Tod im ewigen Eis – wie kam es zu Deutschlands größter Polarkatastrophe

Literatur

Barr, W. (1984): FRAM, 1-64
Dege, W. (1954): Wettertrupp Haudegen. Brockhaus, Wiesbaden
Ritscher, A. (1914): Petermanns Geograph. Mittlng. 60(1), 27-28
Rüdiger, H. (1913): Die Sorgebai. Aus den Schicksalstagen der Schroeder Stranz Expedition.Georg Reimer Verlag, Berlin
Rüdiger, H. (1939): Petermanns Geograph. Mittlng. 85, 158-162
Staxrud, A und K. Wegener (1914): The Staxrud rescue expedition for Schroeder Stranz. Dietrich Reimer Verlag, Berlin
Villinger, B. (1929): Die Arktis ruft. Herder Verlag, Freiburg (Breisgau)

 Track der POLARSYSSEL im August 2005
Track der POLARSYSSEL im August 2005
Tracks des Side Scan surveys auf der Suche nach dem Wrack der LOEVENSKIOELD
Tracks des Side Scan surveys auf der Suche nach dem Wrack der LOEVENSKIOELD
Expeditionsschiff POLARSYSSEL
Expeditionsschiff POLARSYSSEL
Arbeitsdeck der POLARSYSSEL mit dem Tauchboot JAGO
Arbeitsdeck der POLARSYSSEL mit dem Tauchboot JAGO
Vorbereitungen zum Einsatz des Side Scan Sonars
Vorbereitungen zum Einsatz des Side Scan Sonars